Die faszinierende Welt der Wildbienen
Zusammenfassung des Vortrages am 17.3.25 von Volkmar Nix
Als Wildbienen bezeichnet man sämtliche Arten der Bienen mit Ausnahme der als Nutztiere gehaltenen Honigbienen. Der Begriff Wildbiene hat keine Relevanz in der biologischen Systematik. Ebenso ist die Unterscheidung zwischen Wespe und Biene eher umgangssprachlich intuitiv und entspricht nicht einer biologischen Kategorie.
Bei der umgangssprachlichen Bezeichnung Biene ist häufig die bekannteste Bienenart, die Westliche Honigbiene gemeint. In Deutschland leben ca. 600 Arten von Wildbienen. Diese unterscheiden sich optisch durch Größe, Färbung oder Musterung, die Artbestimmung ist ohne weitere Hilfsmittel häufig schwierig. Sie zeigen Längen zwischen 4 Millimetern und drei Zentimetern. Viele solitär lebende Wildbienen sind auf eine einzige Pflanzenart oder Gattung angewiesen, sind also Nahrungsspezialisten (oligolektische Arten, ca. 30%). Andere Arten hingegen können Pollen von verschiedenen Pflanzen nutzen, sind also eher Generalisten (polylektische Arten). Stets dient der Pollenvorrat als Nahrung für die Larven. Die erwachsenen (adulten) Tiere nehmen als "Betriebsstoff" insbesondere Nektar auf. Ein wichtiger Lebensraum für Wildbienen ist der Boden: 75 % aller nestbauenden Arten nisten im Boden (ca. 2/3 aller Arten ). Man unterscheidet „nestbauende Bienen“(betreiben Brutpflege) von „nicht-nestbauende Arten“ (legen Nahrungsvorrat für die Brut in den Brutröhren an) und „Kuckucksbienen“, die parasitär ihre Larven von anderen Bienen aufziehen lassen.
Mehr als 50 % der deutschen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Viele Arten gelten bereits als verschollen und höchstwahrscheinlich ausgestorben. Wildbienen sind zwar in Deutschland laut Bundesartenschutzverordnung geschützt, aber es wird auch darauf hingewiesen, dass die Wirkung des gesetzlichen Naturschutzes fraglich ist. Da die wirklichen Ursachen, vor allem der Verlust des Lebensraumes und die vielfältigen Schadstoffbelastungen zu immer weiterem Rückgang der Bestände führen.
Den Bestand von Wildbienen kann man unter anderem durch Schutz und Bereitstellung von Nistplätzen oder der Trachtpflanzen unterstützen:
Rund drei Viertel der heimischen Bienenarten nisten im Boden. Für diese kann man Sand- und Lehmflächen anlegen (Sandarium). Manche Arten nisten in Steilwänden. Diese kann man z. B. durch die Anlage von Trockenmauern unterstützen. Die Hohlraumbewohner unter den Wildbienen kann man durch Angebote von Wildbienenhotels unterstützen. Gerne angenommenes Inventar eines Wildbienenhotels sind spezielle Bienensteine aus gebranntem Ton oder Hartholz-Nistblöcke mit sauber und splitterfrei hergestellten Sackbohrungen mit Durchmessern zwischen drei und sechs Millimetern. Auch hohle Pflanzenstängel wie Bambus und Brombeerstängel (letztere senkrecht stellen) werden gerne besiedelt. Insektenhotels helfen allerdings nur einem begrenzten Spektrum eher häufiger Arten. Hoch gefährdete bzw. seltene Spezialisten sind vielfach nur abseits der urbanen Lebensräume anzutreffen. Darüber hinaus gibt es Arten, die vergrautes Holz benötigen, in frischem Holz nisten sie nicht. Verlassene Röhren von Käferlarven, ehemals bewohnte Gallwespenblasen oder Schneckenhäuser werden ebenfalls von einzelnen Spezies als Wohnstätten genutzt. Da viele Arten von Wildbienen bestimmte Pflanzen benötigen, um ihren Larvenproviant zu sammeln, kann es zur Unterstützung von Zielarten sehr hilfreich sein, die entsprechenden Bestände an Nahrungspflanzen zu schützen oder zu verbreiten. Wenn Samen ausgebracht werden, ist darauf zu achten, dass gebietseigenes Saatgut aus zertifizierten Mischungen verwendet wird.
Literatur:
Paul Westrich: Die Wildbienen Deutschlands. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-8186-0123-2.
Volkmar Nix: Die Biene und das Schneckenhaus, Kosten 9,00 € plus Versand 1,80 €
Bezug nur über den Autor: mail an an >volkmarnix@gmail.com<
Gelbbindige Furchenbiene (links) und Spalten-Wollbiene (rechts) Fotos: Volkmar Nix
Ackerhummel (links) und Garten-Blattschneiderbiene (rechts) Fotos: Volkmar Nix
Obstbaumschnittkurs in Dornburg-Thalheim am 15. Februar 2025
Kürzlich hatte die Firma Sabel aus Thalheim zu einem Obstbaumschnittkurs auf ihr Betriebsgelände am Talhof eingeladen. Die 30 Teilnehmerplätze waren schnell vergeben und so freute sich die Familie Sabel neben den beiden Referenten des Kurses, Marcel Weidenfeller vom NABU Hundsangen und Philipp Schiefenhövel von der Will und Liselott Masgeik-Stiftung, viele interessierte Obstbaumbesitzer für den praktischen Kurs begrüßen zu können. Doch bevor es an den Schnitt der Bäume ging wurden zunächst die theoretischen Hintergründe zum Obstbaumschnitt durch die beiden Referenten erläutert. So erfuhren die Teilnehmer einiges über die Historie des Obstbaus. Wie die zahlreichen Apfelsorten u.a. aus Asien über die Seidenstraße und durch die Römer nach Europa und Deutschland gelangten. Wie der landschaftsprägende Hochstamm zum Ende des 19. Jahrhunderts, nach der Blütezeit des Streuobstbaus immer mehr an Bedeutung verlor. Weiter gingen die Referenten auf die verschiedenen Knospenformen von Obstgehölzen sowie deren Kronenformen ein und demonstrierten an mitgebrachten Zweigen von Apfel, Birne, Zwetschge, Walnuss, Mirabelle und Co, was beim Schnitt der verschiedenen Streuobstarten und zwischen Kern- und Steinobst zu beachten ist. So tragen Sauerkirsche und Pfirsich z.B. nur am einjährigen Holz auch Früchte, was man bei der Pflege und dem Schnitt der Gehölze beachten muss. Sowohl im Theorie- als auch im Praxisteil nahm die Pflanzung eines Apfelbaumes einen wichtigen Platz im Kursprogramm ein. Neben dem Stamm- und Wurzelschutz vor Wühlmäusen, Wildtieren aber auch Weidetieren durch Kaninchendraht und entsprechende Verbissschutzmaßnahmen wurde ein großes Augenmerk auf die richtige Auswahl der Unterlage und der eigentlichen Edelsorte, dem oberirdischen Teil des Apfelbaumes gelegt. Auch die Bodenbearbeitung am Pflanzloch und Düngung des neuen Obstbaumes wurden erläutert. Der wichtige Pflanzschnitt wurde dann ebenso wie der Erziehungsschnitt zunächst intensiv besprochen und schließlich am Nachmittag aktiv zusammen mit den Teilnehmer*innen des Kurses durchgeführt. Die Verpflegung mit einer kräftigen Linsensuppe und selbst hergestellter Straußenwurst zur Mittagspause und Kaffee mit Gebäck am Nachmittag übernahm die Familie Sabel. So konnten die Teilnehmer*innen nach einem informativen und praxisorientierten Tag eine Menge interessanter Informationen rund um den Obstbaumschnitt mit nach Hause nehmen.
Durchführung des Erziehungsschnitts Foto: Marcel Weidenfeller